Vor dieser Leistung muss man den Hut ziehen!
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(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Norma (Audio CD) Weder bin ich Belcanto-Experte noch Fan des für mein Empfinden überlauten italienischen Operngesangs – ich bevorzuge im Prinzip die leiseren Töne der Alte-Musik-Schule. Dennoch muss ich vor der Leistung, die diese 3-CD-Box präsentiert, den Hut ziehen. Sängerisch geht hier ganz und gar die Post ab. Allen voran ist selbstverständlich Maria Callas zu erwähnen, für die „Norma“ eine Art Paraderolle war. Dank der für Naxos-Verhältnisse ungewöhnlich sachkundigen Anmerkungen von Michael Scott wurde ich in die Lage versetzt, auf Nuancen ihres Gesangs zu achten – und in der Tat, so versteht man, warum sie zur Legende wurde. Auch wer ihr Timbre nicht besonders mag, wird neidlos anerkennen müssen, dass hier eine Sängerin am Werk war, die ihr Fach wohl wie keine andere verstand. So abwechslungsreich, so intensiv, so dramatisch, so gekonnt wird diese Rolle kaum wieder zu hören sein. Dass da die Sänger und Sängerinnen an ihrer Seite etwas verblassen, verwundert nicht. Mario Filippeschi gibt einen mehr als ordentlichen Pollione, aber Ebe Stignani als Adalgisa und Nicola Rossi-Lemeni als Oroveso vermögen keinesfalls das Gefühl zu vermitteln, dass sie die richtige Besetzung waren: Stignani schlicht und einfach, weil sie zur Zeit der Aufnahme (Mai 1954) zu alt war, um als „giovinetta“ (junges Mädchen) zu überzeugen; Rossi-Lemeni, weil seine Stimme, so mächtig sie auch war, einen eigenartigen Beiklang hat, der Michael Scott veranlasst, von einem „Gas-Leck“ zu sprechen. Dass es für diese Rollen bessere Sänger gab, beweist der Anhang auf CD 3, wo Auszüge aus früheren „Norma“-Aufnahmen zu hören sind: Minghini-Cattaneo und Marion Telva klingen nach meinem Empfinden beide eher nach einer echten Adalgisa, während Ezio Pinzas Timbre die Bemühungen von Rossi-Lemeni auf die Plätze weist. Im Übrigen ist in diesem Anhang Rosa Ponselle zu hören, die in ihrer Aufnahme aus dem Jahr 1929 am ehesten der Callas den Rang hätte streitig machen können; Gina Cigna (Turin, 1937) hatte ebenfalls ein wunderschönes Organ, war jedoch von ihrem Gesangsstil her keine wirklich große Bellini-Interpretin.

Das Orchester von La Scala, Mailand, leistet unter Tullio Serafin Gutes, ohne jedoch an die Wiener Philharmoniker z. B. auf Wilhelm Furtwänglers „Fidelio“-Aufnahme heranzureichen. Das Gleiche müsste man über die EMI-Tontechnik sagen: Obwohl der von Naxos-Experte Mark Obert-Thorn digital bearbeitete Monoklang durchaus das Prädikat „sehr gut“ verdient, gibt es immer noch einen himmelweiten Unterschied zu der Meisterleistung auf besagter Beethoven-Aufnahme aus Wien. Obert-Thorn hat sich auch in anderer Hinsicht sehr viel Mühe gegeben: Er hat sich kritisch mit den EMI-Überspielungen dieses Klassikers auseinandergesetzt und anhand wissenschaftlicher Veröffentlichungen die eine oder andere Korrektur vorgenommen. Ihm ist es nicht anzulasten, wenn noch an der einen oder anderen Stelle kleine Verzerrungen zu hören sind.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. Mai 2006
Kundenrezensionen:
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